|
|
|
Grußwort
10 Jahre Berliner Gespräche zum Gesundheitswesen -
Rückblick und Ausblick
Die Auftaktveranstaltung der Berliner Gespräche zum Gesundheitswesen am 22./23. September 2000 stand unter dem Motto "Vom Vertragsarzt zum Netzarzt" und beleuchtete die Auswirkungen der Integrierten Versorgung auf die vertragsärztliche Versorgung. Dieses Thema ist auch im diesjährigen Jubiläumsjahr durchaus aktuell, denn zwei Jahre nach Inkrafttreten des GKV-WSG und der Einführung von Gesundheitsfonds und Morbi-RSA, stehen die, Organisations- und Versorgungsstrukturen in der GKV und PKV erneut vor einer grundlegenden Veränderung.
Während es vor zehn Jahren insbesondere die Integrierte Versorgung war, die an die Stelle des Kollektivvertragsrechts treten sollte, hat der Gesetzgeber nun neue Vertragsoptionen, wie die hausarztzentrierte und die besondere ambulante Versorgung nach §§ 73 b und c SGB V eröffnet. Daneben rücken, bedingt durch die morbiditätsorientierten Finanzzuweisungen aus dem Gesundheitsfonds, indikationsbezogene Selektivverträge für spezielle Patientengruppen in den Fokus der Krankenkassen, wenn diese wettbewerbsfähig bleiben wollen. Insbesondere die fehlende Finanzautonomie und drohende Zusatzbeiträge zwingen die Krankenkassen zu einem verstärkten Versorgungsmanagement für ihre Versicherten. Welchen Stellenwert eine bevölkerungsbezogene flächendeckende Integrierte Versorgung unter diesen geänderten Finanzierungsbedingungen und dem Wegfall der Anschubfinanzierung haben wird, ist bisher nicht geklärt.
Obwohl diese durch das GKV-WSG angestoßenen organisatorischen Veränderungen noch nicht voll zum Tragen gekommen sind, ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber nach der Bundestagswahl über eine weitere Gesundheitsreform beraten wird.
Für Kostenträger und Leistungserbringer stellen sich angesichts der fehlenden Planungssicherheit zahlreiche Fragen:
• Wird der eingeschlagene Weg von Gesundheitsfonds und
Morbi-RSA fortgesetzt und weiterentwickelt?
• Welche Strukturen benötigen Krankenkassen und
Leistungserbringer für einen marktgerechten und
geordneten Vertragswettbewerb?
• Befindet sich das Gesundheitssystem in einer Übergangsphase
zwischen Kollektivvertrags- und Selektivvertragssystem?
• Besteht die Möglichkeit eines geordneten Zugangs von
Innovationen in die GKV durch Einzelverträge?
• Welche Rolle kommt den Kassenärztlichen Vereinigungen zukünftig
im Vertragswesen zu?
• Kommt es zu einer Ablösung der sektoralen Finanzierung
zugunsten einheitlicher Organisations- und Finanzierungs-
strukturen in der ambulanten und stationären
Versorgung?
Die diesjährige Tagung der Berliner Gespräche beschäftigt sich insbesondere mit den Erwartungen der Akteure im Gesundheitswesen an die Politik nach der Bundestagswahl und den Möglichkeiten, wie die dieses sinnvoll weiterentwickelt werden kann.
Wir hoffen Ihnen auch im Jubiläumsjahr unserer Gesundheitsgespräche wieder wertvolle Hinweise und interessante Informationen für Ihre praktische Arbeit geben zu können und freuen uns sehr über Ihr Kommen.
Dr. jur. Peter Wigge
Fachanwalt für Medizinrecht
|
|
|
|